Teil 2
Am nächsten Morgen um sechs Uhr war ich schon am Kochen.
Das ganze Haus duftete nach gebratener Ente, Knoblauchbutter, Honigkarotten, frischem Brot, Zimtäpfeln und teurem Kaffee – genau so, wie Daniel es mochte. Silbernes Besteck glänzte auf dem zwölfsitzigen Esstisch, und Kristallgläser reflektierten das fahle Morgenlicht.
Evelyn kam als Erste herunter, sie trug Perlen und sah sehr hochnäsig aus.
Ihre Augen weiteten sich und ihre Lippen kräuselten sich vor Vergnügen.
„Nun ja“, sagte sie gelassen. „Schmerz lehrt einen tatsächlich etwas Wertvolles.“
Ich stellte die Porzellanschüssel auf den Tisch. „Guten Morgen, Evelyn.“
Sie zwinkerte mir zu, als ich ihren Namen benutzte, anstatt sie Mutter zu nennen.
Zehn Minuten später erschien Daniel in seinem dunkelblauen Gewand, das Haar noch feucht, und mit dem selbstgefälligen Ausdruck eines Mannes, der überzeugt war, ihm gehöre die Welt. Er verharrte im Türrahmen und betrachtete das Festmahl wie ein König, der zurückkehrt, um Tribut zu fordern.
Sein Blick wanderte von meiner verletzten Wange zum Tisch.
Dann lächelte er.
„Gut, dass du endlich zur Vernunft gekommen bist!“
Evelyn lachte leise. „Siehst du? Jetzt weiß sie, wo ihr Platz ist.“
Ich habe Daniel Kaffee in seine Tasse eingeschenkt.