Mein Mann schlug mir wegen Kleinigkeiten immer wieder ins Gesicht. Am nächsten Morgen sah er das üppige Festmahl und sagte: „Endlich bist du zur Vernunft gekommen!“ Doch als er die Gäste am Tisch sitzen sah, geriet er in Panik und wäre beinahe in Ohnmacht gefallen.

Daniel beugte sich so nah zu mir, dass ich den Whiskey in seinem Atem riechen konnte. „Ich will morgen früh ein richtiges Frühstück. Ohne Arroganz. Ohne eisige Blicke. Und hör auf, dich so aufzuführen, als wärst du etwas Besseres für diese Familie.“

Über dieser Familie.

Ich hätte beinahe gelacht.

Drei Jahre lang ließ ich sie glauben, ich sei ein stilles, unauffälliges Wesen aus einer Hilfsorganisation, die Daniel gerettet hatte. Eine stille Ehefrau ohne Familie in der Nähe, ohne laute Freunde, ohne sichtbare Sicherheitsvorkehrungen. Sie verspotteten meine schlichten Kleider, mein bescheidenes Büro, meine Angewohnheit, Dokumente im Safe im Arbeitszimmer einzuschließen.

Sie haben sich nie die Mühe gemacht zu fragen, worum es sich bei diesen Dokumenten handelte.

Sie haben nie gefragt, warum die Bank immer mich und nicht Daniel anrief.

Sie haben nie bemerkt, dass im Grundbucheintrag für das Haus mein Mädchenname stand, nicht seiner.

In jener Nacht spülte ich mir den Mund mit Blut aus und betrachtete mein verletztes Spiegelbild. Unter meinem linken Wangenknochen hatte sich ein violetter Fleck ausgebreitet. Meine Hände blieben vollkommen still.

Daniels Lachen war aus dem Schlafzimmer zu hören, während er telefonierte.

„Ja, sie hat ihre Lektion gelernt. Morgen früh wird sie betteln.“

Ich öffnete den Schrank unter der Spüle und holte den kleinen Rekorder heraus, den ich sechs Monate zuvor dort versteckt hatte, nach der ersten Ohrfeige, von der er versprochen hatte, dass sie die letzte sein würde.

Das rote Licht blinkte ruhig.

Ich berührte einmal meine verletzte Wange.

Dann habe ich drei Anrufe getätigt.

Einen für meinen Anwalt.

Eins zur Bank.

Und eine Frage, die mit Daniels größtem Fehler zusammenhängt...