Ein Fest der Tradition wird jäh unterbrochen

La Feria de Abril lockt jedes Jahr Fans, Familien und Neugierige in die Real Maestranza. Blauer Himmel, rotgelber Sand, Fanfarenklänge – eigentlich das Bühnenbild für Heldenepen in Samt und Gold. Am Montagabend füllt ein Meer aus Fächern und Hüten die Ränge, raschelnd vor Erwartung. In der Luft liegt dieses leise Knistern, das nur entsteht, wenn ein alter Brauch und moderne Skepsis aufeinandertreffen.
Doch plötzlich erstirbt der Jubel. Ein Stier, 512 Kilogramm geballte Muskelkraft, stemmt sich gegen den Puderstaub und hebt den berühmt-berüchtigten Morante de la Puebla aus dem Sand. Sekundenbruchteile; niemand begreift sofort, wie schnell ein Triumph in eine Tragödie kippen kann.