Liam neckte mich ständig mit absurden Theorien – er nannte es Kostümzubehör, Trainingsausrüstung oder irgendetwas, worüber ich lieber nicht weiter nachdenken wollte – und je länger wir es betrachteten, desto weniger konnte ich mir vorstellen, dass es normal war. Also machte ich, halb aus Panik, halb aus Neugier, ein Foto und postete es online, in der Hoffnung, dass mir irgendjemand irgendwo eine schnelle und harmlose Erklärung geben könnte, die die unangenehmen Gedanken in meinem Kopf vertreiben würde. Zuerst halfen die Reaktionen im Internet überhaupt nicht. Manche machten Witze, andere spekulierten wild, und einige Vorschläge machten die Situation nur noch peinlicher und verstärkten genau die Ängste, die ich eigentlich vermeiden wollte. Für einen kurzen Moment dachte ich wirklich, ich hätte etwas über meinen Vater entdeckt, das ich nie wieder vergessen könnte, und diese Spannung ließ die ganze Garage plötzlich zehnmal kleiner und erdrückender wirken. Doch dann, nachdem ich Kommentar um Kommentar durchgescrollt hatte, stach eine Antwort aus der Masse heraus, weil sie ruhig, selbstsicher und völlig unbeeindruckt von dem Chaos war, das alle anderen verursachten. Die Person erklärte mir, dass das, was ich in der Hand hielt, nichts Anstößiges oder Geheimnisvolles sei, sondern ein Paar YakTrax – Schuhspikes für Eis und Schnee, die man über die Stiefel zieht und die bei winterlichen Bedingungen Halt geben. Und plötzlich ergab alles Sinn. Die ungewöhnliche Form war nun logisch, die Ketten waren eindeutig funktional und nicht nur Dekoration, und die Gummioberfläche entsprach genau dem, was man von einem Produkt für Halt und Sicherheit erwarten würde – nichts Verdächtigem. Ich sah sie mir noch einmal an, diesmal wirklich genau, und erkannte, wie absurd unsere Annahmen nur wenige Minuten zuvor gewesen waren.