Deine Freundin drückt dir ein schweres, vakuumverpacktes „Fleischstück unbekannter Herkunft“ in die Hand und sagt, es sei wunderbar… Was du da wirklich vor dir hast, wird dich überraschen
Hier wird die wissenschaftliche Seite der Sache interessant.
Rinderzunge besteht aus Muskeln, die während des gesamten Lebens des Tieres ständig beansprucht werden. Dadurch entwickelt sie eine feste Struktur aus Bindegewebe und Kollagen. In der modernen Küche werden meist magere Fleischstücke bevorzugt, die schnell garen. In der traditionellen Küche hingegen werden zähere Stücke wie diese geschätzt, weil sie durch die Zeit und Hitze eine besondere Geschmacksnote entwickeln.
Beim Schmoren von Rinderzunge passiert etwas Wichtiges: Das Kollagen wandelt sich in Gelatine um. Diese Umwandlung verändert die gesamte Textur. Statt zäh oder schwer zu kauen, wird sie weich, fast seidig. Eine Textur, die nicht nur Kauen erfordert – sie zergeht förmlich auf der Zunge.
Deshalb bezeichnen Köche es oft als eine der am meisten unterschätzten Luxustexturen in der Küche. Nicht etwa, weil es roh appetitlich aussieht, sondern weil es Geduld mehr belohnt als fast jedes andere Stück Fleisch.
Die anfängliche Skepsis vieler Menschen beim ersten Anblick solcher Produkte hängt eher mit Ungewohntheit als mit der Qualität zusammen. In vielen modernen Küchen hat sich die Verwendung ganzer Tiere in der Küche stark verändert. Zutaten in ihrer ursprünglichen Form sind selten geworden. Die meisten Fleischstücke sind bereits zugeschnitten, vorgeformt und so gestaltet, dass sie ein einheitliches Erscheinungsbild haben. Wenn also etwas geliefert wird, das diesen Erwartungen nicht entspricht, ist das überraschend.
Tatsächlich gehört dieser Zuschnitt aber schon immer zur traditionellen „Nose-to-Tail“-Küche, bei der nichts verschwendet und jedes Teil des Tieres bewusst verwendet wird. Dieser Ansatz gewinnt in den letzten Jahren wieder an Bedeutung, da Köche und Hobbyköche nach intensiverem Geschmack, Nachhaltigkeit und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis suchen.